• Dr. Roy Kühne

CDU
Mitglied des Deutschen Bundestags (MdB)
Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis 52
Goslar-Northeim-Osterode

Krankenhausreform

Orientierungsdebatte über Organspende

Berlin. 28.11.2018    Braucht es bei der Organspende ein neues System? Im Deutschen Bundestag wurde heute darüber diskutiert. Einen Überblick über die aktuelle Gesetzeslage und die aktuelle Diskussion finden Sie nachfolgend.
 

Aktuelle Gesetzeslage

 

Seit dem 01. November 2012 gilt in Deutschland die sog. Entscheidungslösung. Damit soll die Bereitschaft Organspender gefördert werden, damit mehr Patientinnen und Patienten die Chance auf ein Spenderorgan erhalten.

Jede krankenversicherte Person ab dem vollendeten 16. Lebensjahr erhält seit diesem Stichtag von ihrer Krankenkasse oder Versicherungsunternehmen regelmäßig Informationsmaterial zu den Themen der Organ- und Gewebespenden. Außerdem erhält jeder Bürger einen Blanko-Organspendeausweis, den er ausfüllen kann.

  • Ja, ich gestatte, dass nach der ärztlichen Feststellung meines Todes meinem Körper Organe und Gewebe entnommen werden
  •        Nein, ich widerspreche einer Entnahme von Organen und Gewebe
  •        Über ja oder nein soll dann folgende Person entscheiden: …
 

Die bewusste, schriftlich dokumentierte Zustimmung ist Voraussetzung für eine Organspende, das ist über den Organspendeausweis oder die Patientenverfügung möglich. Liegt keine Entscheidung zur Organ- und Gewebespende vor, werden die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen der verstorbenen Person gefragt.

Für die Organvergabe ist die Stiftung Eurotransplant zuständig. Die Organisation ist ein Zusammenschluss von acht europäischen Ländern, darunter Deutschland, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Ungarn, Slowenien und Kroatien.

 

Aktuelle Diskussion

 

Derzeit diskutieren Gesellschaft und Politik über versch. Ansätze für eine höhere Spenderbereitschaft. In Deutschland belief sich die Anzahl an Organspendern im Jahr 2017 auf durchschnittlich 7,5 lebende Spender je eine Million Einwohner (Quelle: statista.de). In den Niederlanden bspw. sind es hingegen 33 Spender je eine Million Einwohner, in einigen außereuropäischen Ländern liegt die Zahl der Spender noch wesentlich höher. Auch die Zahl der postmortalen Spender ist in Deutschland vergleichsweise gering: nur 797 postmortale Spenden konnten im vergangenen Jahr verzeichnet werden. Dabei ist die Zustimmung innerhalb der Deutschen Bevölkerung größer als jemals zuvor: 68% der Deutschen wären lt. einer Umfrage der „Apotheken Umschau“ bereit, postmortal Organe zu spenden, nur 17 % sind dagegen.

Um eine höhere Bereitschaft zu Organspenden insgesamt, aber auch eine höhere Anzahl an potentiellen Spendern zu erreichen, erarbeitet das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) aktuell verschiedene Lösungsansätze. Unter anderem sollen mit dem Gesetzentwurf für bessere Zusammenarbeit und bessere Strukturen bei der Organspende (GZSO) Verbesserungen für Entnahmekrankenhäuser finanziert werden. Auch mit dem „Gemeinschaftlichen Initiativplan Organspende“ erarbeiten unter der Federführung der DSO, die Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft, der GKV-Spitzenverband, und weitere Einrichtungen darüber hinausgehende Lösungsansätze. Die Arbeitsgruppe soll bis Mitte 2019 konkrete Lösungsvorschläge vorstellen.

Derzeit stirbt alle 8 Stunden ein Mensch auf der Warteliste, weil kein passendes Spenderorgan gefunden werden konnte. Die politische Debatte fokussiert sich deshalb auf die Frage, ob die Form der „freiwilligen Angabe“ ausreichend ist, um Organspenderzahlen zu erhöhen. Diskutierte Lösungen sind dafür u.a. die „doppelte Widerspruchslösung“ und die „verbindliche Entscheidungslösung“.

 

Die „doppelte Widerspruchslösung“ sieht vor, dass alle ab dem vollendeten 16. Lebensjahr automatisch zu potentiellen Organspendern erklärt werden, die sich nicht ausdrücklich gegen eine Organspende aussprechen. Ausnahmen sollen hierbei auch dann gelten, wenn die entscheidungsberechtigten Angehörigen widersprechen. Befürworter dieser Lösung argumentieren damit, dass die Bereitschaft zur potenziellen Organspende nach dem Tod auch bei einer solchen Regelung im ureigenen, persönlichen Entscheidungsbereich bleibe. Jeder sollte aber aufgefordert sein, sich mit der Frage einer möglichen Organspende auseinanderzusetzen.

 Die „verbindliche Entscheidungslösung“ verändert den aktuellen Gesetzeszustand ebenfalls, wenngleich weniger umfangreich. Diese Lösung würde bedeuten, dass sich jeder entscheiden muss, ein Organspendeausweis wäre dann für jeden ab dem vollendeten 16. Lebensjahr vorgegeben. Jeder Bürger müsste sich dann für eine der Optionen entscheiden: Potentielle Spende ja oder nein. Befürworter dieser Lösung argumentieren damit, dass die geringe Spenderbereitschaft einerseits eine Änderung erforderlich mache, andererseits niemand zu einer Spende verpflichtet werden könnte.

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Weitere Informationen können Sie unter https://www.organspende-info.de einholen, dort informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) über die Thematik.

Kontakt

Bundestagsbüro:
Deutscher Bundestag
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Tel.: 030 227 79 187
Fax: 030 227 70 188
Wahlkreisbüro:
Markt 11
37154 Northeim

Tel.: 05551 9088 899
Fax: 05551 9088 910
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